Mit tent erweitert i-camp das Spektrum seiner Aktivitäten in Sachen Förderung und Bereicherung der Münchener Kunstszene – und zwar in zweifacher Hinsicht:
Einerseits wird mit tent ein regelmäßiges Gastspielprogramm etabliert, das auswärtige KünstlerInnen auch außerhalb der Münchener Festivals einlädt und so die Frequenz der Impulse erhöht, die i-camp für die Münchener Kunstszene setzt.
Andererseits intensiviert tent die Förderung von Münchener Projekten, indem Präsentationsmöglichkeiten auch für solche Arbeiten geschaffen werden, die beispielsweise aufgrund prozessorientierter Arbeitsweisen oder sparten-übergreifender Ästhetiken bislang keine geeigneten Förderinstrumente in München vorfinden.
Das Ziel von tent besteht also darin, Arbeitsweisen und Ästhetiken der zeitgenössischen Kunst, die in München bisher kaum zu sehen waren, sowohl verstärkt nach München zu holen als auch dort, wo sie bereits in München vorhanden sind, zu einer deutlicheren Entfaltung zu bringen – und München auf diese Weise sowohl für ansässige als auch für auswärtige KünstlerInnen interessanter zu machen.
Unter dem Motto "tentative content for tent" haben Künstler aus München und der Welt unsere Bühne und Foyer bei der Auftaktveranstaltung ein Wochenende lang zum Campingplatz gemacht, Zelte aufgeschlagen, Lagerfeuer angezündt, gegrillt und darüber gesprochen, was sie außer Zelt, Schlafsack und Isomatte brauchen, um Ihre künstlerischen Experimente umzusetzen - und was München braucht, um für sie als experimentierende KünstlerInnen interessanter zu werden.
Es wurden zudem geplante oder bereits fertige künstlerische Arbeiten im Rahmen eines offenen Programms vorgestellt.
Durchgängige Installationen / work in progress: 27./28. März 2009, ganztägig
Natalia Borissova installiert einen klangerzeugenden
Stromkreis, an den sich Personen, Tiere, Pflanzen und andere Dinge anschließen können.
Signe Lidén und Annesofie Norn kreieren drei 'sound subjects' aus Klangmaterial, das sie auf einer Reise von Oslo über Kopenhagen nach München gesammelt haben.
Präsentationen und Konzerte Freitag, 27. März 2009, ab 20:30 Uhr:
Daniel Door von fromnoise bringt sein Wurfzelt mit und lässt Vogelgezwitscher, Krähengeschrei, Schafblöken, Quietschen und Knarzen von
Folterinstrumenten und einer umbrischen Kirchentür aus einem baumartigen Etwas mit Lautsprecherfrüchten ertönen. Dazu gibts eine elektrifizierte Zither, Maschinengetrommel
und Gesang von eventuellen Ko-PerformerInnen - und möglicherweise sogar einen fahrbaren Pinguin.
Natalia Borrissova und Heike Siegert improvisieren auf ihren DIY-Instrumenten.
Präsentationen und Konzerte Samstag, 28. März 2009, 18:00 Uhr:
Dorothea Seror stellt ihr Tanztheater-Projekt MEET/MEAT vor, in dem sie mit Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen arbeitet.
Präsentationen und Konzerte Samstag, 28. März 2009, ab 20:30 Uhr:
Schmitt&Schulz vom Performance Art Depot Mainz präsentieren die 'Anwendung 1' ihrer 'Pflegeserie' und setzen sich augenzwinkernd mit dem Klischee der Nacktheit in der Performance-Kunst auseinander.
Firm&Wagen improvisieren mit Banjo, Synthesizer und Schlagzeug unter zusätzlichem Gebrauch von digitalem Sequencer und elektromechanischen Gerätschaften.
folie circulaire (Edouard Stork und Daniel Kluge) produzieren Bild und Ton live und manipulieren beides mit selbstgebauten Controlern.
piano possibile (pp) - Ensemble für Neue Musik veranstaltet seit 2008 im i-camp regelmäßige, nicht-öffentliche Symposien.
Das Grundthema dieser Veranstaltung ist die Frage, wie eine zeitgenössische Kunstmusik sein könnte bzw. ob es überhaupt eine Zukunft dieser Art von Musik gibt.
Jedes Treffen steht unter einem speziellem Thema, in Vorträgen und daran anschließenden Diskussionen soll dieses vertieft werden.
17. Mai 2009 Johannes Maass, Inhaber des gleichnamigen Musiknotenvertriebs, wird einen Vortrag halten zur Situation der Musik-Verlage unter dem Gesichtspunkt Ihrer Verantwortung für die "neue" Musik.
23. März 2009 "How I learned To Stop Worrying And Forget About Style"
Ein Vortrag von Moritz Eggert über Missverständnisse der Postmoderne und eine Vision des unverschämt stillosen Komponierens.
Eine der nervigsten Fragen die man als Komponist gestellt bekommen kann ist "Und, in welchem Stil komponieren Sie?".
Wenn jemand mich dies fragt, beginne ich zu schwitzen, zu stottern und bin paralysiert von dem Gedanken an die Möglichkeit diese Frage beantworten zu können.
Weil - und darüber bin ich mir vollkommen sicher - nur uninteressante Komponisten sofort darauf eine Antwort parat haben. Ich benutze das Wort "uninteressant", und nicht "unfähig", weil es durchaus möglich ist, handwerklich sehr fähig und gleichzeitig vollkommen "uninteressant" zu sein.
In diesem Vortrag werde ich über eine mögliche musikalische Zukunft sprechen, in der die Idee des "Stils" transzendiert oder aufgelöst wird, und von Musik, die versucht möglichst welthaltig zu sein, anstatt nur einen begrenzten Blick auf einen hübschen kleinen und beherrschbaren Ausschnitt zu präsentieren."
vorgehen
während wir mit einem affenzahn durch das all rasen wird eine temporäre kommandozentrale errichtet, in der freiheitsspezialisten (die gäste) einen monat lang täglich ein dossier zu freiheitsaspekten erstellen.
die für jeden abend eingeladenen führen auf ihre eigene weise einen öffentlichen diskurs mit dem publikum über den kurs des erdgeschosses. der diskurs wird aufgezeichnet & niedergeschrieben (dokumentaristIn) das entstehende „kursbuch/logbuch“ wird als ein exemplar gedruckt, herausgegeben, an einem sicheren ort aufbewahrt (chranit wetschno – aufbewahren für alle zeiten) & parallel im internet (www.entente-cordiale.de) veröffentlicht.
der gastgeber steuert den ablauf & greift bei komplikationen ein. er bereitet zum abschluss jeden abend ein omelett mit toast zu.
die gäste
JUDITH ALBAKRI & JOCHEN STRODTHOFF, MICHAEL BISCHOFF, HOLGER DREISSIG, MONICA GOMIS, HERMANN HILLER, RALF HOMANN, HUMMMEL, BERKAN KARPAT, MANFRED KILLER, ULRICH MÜLLER, NICOLE KNAUER, AIKO OKAMOTO, PARABIONT – ANDRE EIERMANN & CHRISTINA HÄNSEL, PIANO POSSIBILE (PHILIPP KOLB, KLAUS SCHEDL), MICHA PURUCKER, PEER QUEDNAU, CHRISTINA RUF, ALEXANDER STRAUCH, CHRISTINE UMPFENBACH, GOTTFRIED WEBER-JOBE u.a.
der gastgeber: robert hofmann
dokumentaristIn: tina mess, patricia kurz
publikum
konzept formal
das stück orientiert sich am tv/spielfilm-format der serie, es besteht aus einem prolog, 28 episoden, einer pause & einem epilog. es gilt mit der präsentation des kurs/logbuchs als fertiggestellt.
es zitiert bekannte produkte wie die „STAR-WARS“ reihe sowie „IJON TICHY-RAUMPILOT“ sechsteilige fernsehserie, ZDF 2007 mit nora tschirner und oliver jahn, basierend auf texten von stanislaw lem.
15 Jahre i-camp / Neues Theater München (1993 – 2008)
Das i-camp, ehemals 1993 als ‚Neues Theater München‘ gegründet und von Anbeginn an als Infrastrukturmaßnahme der Landeshauptstadt mit dem Auftrag zur langfristigen, qualitätvollen Entwicklung und Sicherung von Strukturen für die Arbeit der freien Szene betraut, blickt mittlerweile auf eine erfolgreiche 15-jährige Geschichte zurück.
Rund 600 Produktionen aus den Bereichen zeitgenössisches Theater, zeitgenössischer Tanz, Neue Musik, Performance, Bildende Kunst, Videokunst, Elektronischer Medien und all ihren Mischformen wurden im i-camp zur (Ur-)Aufführung gebracht. Viele arrivierte Künstler haben hier performt und koproduziert und kehren immer wieder gerne – als Künstler oder Gäste – zu uns zurück.
Das i-camp ist zudem seit langen Jahren ein fester und zuverlässiger Kooperationspartner, unter anderem bei der Tanzwerkstatt Europa und den internationalen Festivals DANCE, ADevantgarde und Spielart der Landeshauptstadt München.
Geburtstagsfest am 15. Dezember 2008
Mit rund 250 Künstlern und Organisatoren aus der freien Szene, Repräsentanten der hiesigen Kulturpolitik, Mitgliedern des Stadtrats und Medienvertretern feierte das i-camp am 15. Dezember sein 15-jähriges Bestehen.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend im Wechsel durch volkstümliche Klänge von Koflgschroa, einer zeitgenössischen Einlage von piano possibile und Grooves der Szeneentdeckung Hummmel. Auf sechs Videoscreens wurden Mitschnitte von den rund sechshundert Produktionen aus den vergangenen 15 Jahren gezeigt.
Der Abend liess den Gästen viel Raum und Gelegenheit sich kennenzulernen und sich über Kunstsparten hinweg auszutauschen sowie neue Kontakte zu knüpfen. Die Ausdauerndsten hielten dann auch bis in die frühen Morgenstunden aus und machten rege von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Entsprechend zufrieden zeigten sich Robert Hofmann stellvertretend für den Theaterverein München e.V., der als Träger des i-camp fungiert. „Wir haben gesehen, dass München über eine lebendige Freie Szene verfügt, die die wesentliche Grundlage der Existenz der ‚Institution‘ i-camp bildet. Bedanken möchten wir uns bei allen, die dazu beigetragen haben, dass das i-camp als Plattform des freien, künstlerischen Gedankens überhaupt dauerhaft ermöglicht wurde. Unser Dank geht weiterhin an alle Künstler, die in den vergangenen 15 Jahren das i-camp nicht nur bespielt, sondern auch als Ort des Experiments und der Diskussion verstanden und mit Leben erfüllt haben.“
Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers brachte es abschließend treffend auf den Punkt und wünschte dem i-camp, „dass es auch in den nächsten Jahren weiterhin von der gesamten freien Szene als lebendiges Forum genutzt wird.“
Videos von der 15-Jahre-Feier
Auf der 15-Jahre-Feier des i-camp spielten piano possibile, Kofelgschroa und Hummmel.
Die Polizeidirektion Au war von der Programmauswahl derart begeistert, dass sie spontan eine eigene Delegation schickte.